Skulptur an der Fassade 2008
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Quellen aus der Zeit der Hexenverfolgung
Zeichnung der Folterinstrumente, 1839
Ansichtskarte, um 1920
Ansichtskarte, um 1920
Ansichtskarte, um 1920
Ansichtskarte, um 1970
Werbeanzeige, 1987
Denkmal Maria Rampendahl, 1994

Die Geschichte der Hexenverfolgung in Lemgo

Die Hexenverfolgung bildet ein wichtiges Thema der stadtgeschichtlichen Forschung, sowohl im Stadtarchiv Lemgo als auch im Städtischen Museum. In Zusammenarbeit mit Historikern und Historikerinnen verschiedener Universitäten wurden Tagungen und Vorträge veranstaltet. Beide Einrichtungen kooperieren mit dem Arbeitskreis Interdisziplinäre Hexenforschung  (AKIH) und dem Arbeitskreis für historische Hexen- und Kriminalitätsforschung in Norddeutschland.

Die lange Dauer der Verfolgung und die große Zahl der Opfer waren besondere Kennzeichen der Hexenverfolgung in Lemgo. Zwischen 1583 und 1681 wurden  nach derzeitigem Forschungsstand 254 Personen verurteilt und hingerichtet, darunter 38 Männer.

Die letzte Welle fiel in die Amtszeit des Bürgermeisters Hermann Cothmann. Erst der Prozess gegen Maria Rampendahl, der mit der Landesverweisung der Angeklagten endete, führte zum Ende der Hexenprozesse. 1715 wurde das sog. Hexen- oder Schwarze Buch, das die Besagungen und Anklagen enthielt, auf dem Marktplatz zerschnitten und verbrannt.

Einen Schwerpunkt der stadtgeschichtlichen Forschung bildeten Studien zu den Biografien der Prozessopfer. Auch in der Ausstellung stehen Biografien einzelner Prozessopfer im Vordergrund.

Ein weiterer Forschungsschwerpunkt ist die Rezeption der Hexenverfolgung im 19. und 20. Jahrhundert. Ausgangspunkt war eine Werbekampagne im Jahre 1987. Zum Abschluss der Kampagne für eine neue Zahnpasta wollte eine Werbeagentur "Deutschlands originellste Kräuterhexe" im Hexenbürgermeisterhaus küren. Die Werbekampagne führte zu heftigen Protesten von Frauengruppen, nicht nur aus Lemgo, sondern bundesweit. Sie kritisierten das folkloristische Bild der "Hexe", das in der Werbekampagne propagiert wurde, und verwiesen auf die zahlreichen Opfer der Hexenprozesse in Lemgo. Am Ende verzichtete die Werbeagentur auf die Abschlussveranstaltung.

 

Im Jahre 1990 wurde als Reaktion auf die Werbekampagne der "Arbeitskreis Maria Rampendahl" gegründet. Er engagierte sich für die Errichtung eines Denkmals für die Opfer der Hexenverfolgung in Lemgo. Im September 1994 wurde der "Stein des Anstoßes", eine Arbeit der Lemgoer Künstlerin Ursula Ertz, auf dem Platz zwischen Rathaus und Kirche St. Nicolai errichtet. Seit August 1999 befindet sich in der Kirche St. Nicolai ein Gedenkstein für den Pfarrer Andreas Koch, geschaffen von dem Lemgoer Bildhauer Dorsten Diekmann auf Initiative der Kirchengemeinde St. Nicolai.

In der stadtgeschichtlichen Ausstellung ist die Rezeption der Hexenverfolgung in der lokalen Erinnerungskultur des frühen 20. Jahrhunderts ein eigenes Thema. Dabei wird deutlich, wie stark die Wahrnehmung eines historischen Themas durch zeitspezifische Deutungen beeinflusst wird.

Bibliografie